Wien: Enzyklopädie „Die Bibel und die Frauen“ präsentiert

<h3>Systematische Rezeptionsgeschichte der Bibel aus der Perspektive von Frauen &#8211; Richter: “Who is Who der Theologie” &#8211; Fischer: Marker für weibliche Weltsicht</h3>
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<p>Wien (epdÖ) – „Die Bibel und die Frauen – Wir geben Frauen ihre Geschichte zurück!“ lautete der Titel einer Buchpräsentation am 20. Oktober in der Lutherischen Stadtkirche in Wien. Vorgestellt wurde eine exegetisch-kulturgeschichtliche, 22-bändige Enzyklopädie nach mehreren Jahren interdisziplinärer Forschung im Rahmen des internationalen Großprojekts „Die Bibel und die Frauen“.</p>
<p>„Es liest sich wie ein Who is Who der Theologie“, betonte Bischöfin Cornelia Richter, die durch den Abend führte. „Alles, was Rang und Namen hat“, sei darin vertreten, sagte Richter über die große wissenschaftliche Autor:innenschaft an dem Werk unter der Leitung der Theologin Irmtraud Fischer, emeritierte bzw. langjährige Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.</p>
<p>Das internationale Forschungs- und Publikationsprojekt zählt zu den bedeutendsten Vorhaben der theologischen Frauen- und Geschlechterforschung der letzten Jahrzehnte. Dabei wurde erstmals systematisch die Rezeptionsgeschichte der Bibel aus der Perspektive von Frauen rekonstruiert – von den Anfängen im Judentum bis in die Gegenwart.</p>
<p>Ein Ziel des an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz initiierten Projekts sei es gewesen, möglichst vielen Frauen die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt zu ermöglichen, erklärte Fischer im Gespräch mit Richter. Im Laufe der Jahre habe sich die feministische Forschung bzw. Genderforschung „stark verändert“, erinnerte die Projektleiterin.</p>
<p>Dass die Feministische Forschung auch gegenwärtig viele junge Wissenschaftlerinnen fasziniert und fachübergreifend durchgeführt wird, zeigte sich vor allem im Gespräch zwischen Professorin Irmtraud Fischer und Ann-Kathrin Armbruster von der Universität Bonn. Sie hat in ihrer Dissertation im Fach Systematische Theologie die Rezeption des Medea-Motivs intensiv bearbeitet.</p>
<p>Die Auslegungsgeschichte der Bibel durch Frauen, genderrelevante Texte und Rechtstexte zählten zu den Schwerpunkten des Projekts. Fischer hob „viele Marker“ biblischer Schriften hervor, die auf eine weibliche Weltsicht hinweisen. Als Beispiel nannte sie das Buch Ruth, welches die soziale Realität für Frauen in der patriarchalen Gesellschaft des antiken Israel thematisiert. „Das Buch Ruth legt es nahe, dass es von einer Frau geschrieben ist“, unterstrich Fischer.</p>
<p>Schließlich waren 304 wissenschaftlich arbeitende Menschen weltweit an dem Großprojekt beteiligt. Fertig gestellt sei zunächst die deutsche Ausgabe, „die italienische und spanische Ausgabe folgen hoffentlich nächstes Jahr“, so die Projektleiterin.</p>
<p>Die Reihe der Enzyklopädie ist in vier Sprachen erarbeitet worden und u.a. im Kohlhammer Verlag erschienen.</p>
<p>Infos zur Enzyklopädie unter <a href="https://www.bibleandwomen.org">www.bibleandwomen.org</a>.</p&gt;